Dienstag, 26. Mai 2015

Dienstag, 26. Mai 2015

instagram.com/Gehirnzellenoptik_fotografie
Ich werde heute das Thema "Fakes im Internet" noch einmal aufgreifen, es aber aus einer anderen Perspektive erklären - nämlich aus der Sicht derjenigen / desjenigen, der sich hinter einem Fake-Account verbirgt.

Wer kennt das nicht? Immer und überall hat einfach jeder sein Smartphone in der Hand und checkt die neuesten Updates, Bilder und natürlich das eigene Feedback. 
"Gefällt mir"-Angaben, Kommentare und natürlich die neuesten Follower werden begutachtet, man vergleicht es mit dem Feedback älterer Fotos und Posts und stellt erst einmal sicher, dass Followerzahlen steigen und nicht fallen.
Das soziale Leben verlagert sich immer und immer mehr auf die sogenannten Sozialen Netzwerke - aber eigentlich sind die gar nicht so sozial, wie der Name vermuten lässt.

Freunde teilen für gewöhnlich alles miteinander, die schönen Dinge - Erinnerungen an den letzten Urlaub, die erste Verliebtheit wird gleich mit der besten Freundin durchgequatscht und man malt sich gemeinsam die komischsten Szenarien aus, man teilt sich einen riesen Eisbecher oder trifft sich auf einen Milchshake im Lieblingscafé - aber auch die schlechten - der schlimmste Liebeskummer nach einer frischen Trennung, Stress und Ärger auf der Arbeit, Unsicherheiten.

Doch auf den sozialen Netzwerken ist das anders - wir posten keine Bilder, wenn wir auf denen nicht für unser Empfinden perfekt aussehen, wir schreiben auch keinen Status darüber, dass wir soeben verlassen wurden und es uns deshalb unheimlich schlecht geht, genau so wenig lassen wir den Frust über unseren Arbeitgeber, der uns an dem Tag doch wieder mehr zugemutet hat, als uns lieb ist, im Internet raus - schließlich und endlich könnte der Arbeitgeber das ja auch lesen.
Statt dessen posten wir Bilder von unserem leckeren Essen im fünf Sterne Restaurant, zeigen uns nur von unserer besten Seite, immer perfekt geschminkt und gestylt, und teilen auch nur die schönsten Momente mit der Welt - unser Leben ist perfekt, Picture Perfect, zumindest im Internet.

Dass keiner von uns ein ausnahmslos perfektes Leben führt, immer glücklich ist und nie schlechte Erfahrungen macht, ist uns eigentlich irgendwo bewusst. Genau so wie uns klar ist, dass niemand, der morgens nach einer unruhigen Nacht aufwacht, perfekt gestylt ist und ohne Knautsch-Falten und zerwuschelte Haare aufwacht. Aber das spielt in erster Linie keine Rolle - nein, eine Rolle spielt, dass derjenige auf seinen Bildern und im Internet einfach DAS perfekte Auftreten hat, unzählige Likes auf seine Bilder kassiert und in den Kommentaren dafür bewundert wird, wie hübsch man doch ist, wie toll die Haare liegen und wie gelungen das Make-Up doch ist, über das Outfit kann man gerade gar nichts sagen, es ist einfach nur großartig. Jaja, es fehlen einem die Worte.

instagram.com/Gehirnzellenoptik_fotografie
In welchem Zusammenhang das nun mit Fake-Accounts steht? Naja, man selbst sieht sein Leben nun mal so wie es ist - mit all den schönen Seiten, aber auch mit den Problemen, den Selbstzweifeln und dem Stress, den ein Leben eben nun mal so mit sich bringt.
Vergleichen wir also unser echtes Leben, mit dem Leben anderer auf ihren Social Networks, dann kann es schon mal passieren, dass man unzufrieden und vielleicht auch ein bisschen neidisch wird. 
Schließlich und endlich ist man selbst damit beschäftigt Rechnungen zu begleichen, den Liebeskummer mit einer Tonne Eiscreme zu bekämpfen und währenddessen aber noch die volle Arbeitsleistung zu liefern, während man mit seinem Haushalt beschäftigt ist und eigentlich nur noch schlafen möchte - und was machen die Facebook-Freunde? Sonnen sich am Strand, essen gerade beim besten Inder der Stadt oder lassen sich die Nägel neu machen bevor es zum Verwöhnprogramm inklusive Massage geht.

An seinem realen Leben kann man aber in den seltensten Fällen schnell und effektiv etwas ändern, da braucht Veränderung Zeit, Geduld, ein Ziel und viel Motivation und Arbeit - sein Social Life im Internet zu frisieren, das ist aber einfach. Man klaut sich Bilder von jemandem, der ohnehin positives Feedback erhält und postet wie wild drauf los was man alles tolles gemacht und erlebt hat, am besten mit einer ganzen Horde unechter Freunde, die man niemals im echten Leben treffen wird, die einem aber das Feedback geben, was man sich so sehr wünscht und so sehr braucht.

Für den Wunsch nach einem perfekten Leben - und ist es auch nur im Internet - sollten wir niemanden verurteilen, schließlich und endlich schaffen wir diese Probleme selbst und generieren ein Idealbild, das für jeden von uns unerreichbar ist und bleiben wird.
Natürlich wird sich daran auch nicht viel ändern, schließlich und endlich werden wir auch weiterhin nur die schönen Dinge mit einer Vielzahl an Menschen teilen, während alles was uns schwer fällt und uns zu schaffen macht einigen wenigen Vertrauenspersonen vorbehalten bleibt.
Was ich mit diesem Blog eigentlich erreichen möchte ist ein Verständnis für diejenigen, die dem Druck unterliegen und sich deshalb die Bestätigung an anderer Stelle holen. Außerdem will ich euch zeigen, dass - egal was jemand ins Internet stellt und wie toll sein Leben da sein kann - dieser jemand auch Probleme hat, Hürden meistern muss und Steine in den Weg gelegt bekommt. Es kann nicht immer alles perfekt sein, aber das muss es auch nicht, denn all unsere kleinen Fehler machen uns aus und jeder Stein, der uns in den Weg gelegt wird, verlängert unsere Straße ein kleines Stück, jede Hürde, die wir nehmen müssen, macht uns stärker und jedes Problem, das wir lösen, festigt unseren Charakter.

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