Bevor ich mir die Zeit nehme über all die wundervollen Sachen zu bloggen, die mir in letzter Zeit so passiert sind und die ich erleben durfte (vom Myfest bis zum Einzug der kleinen Igelchen), muss ich heute noch ein Thema anschreiben, über das es schon unzählige Berichte, Einträge, Dokumentationen und Bücher gibt, das aber an Aktualität stetig wieder zunimmt und das noch lange nicht so ausgelutscht ist wie manch einer behaupten möchte.
Es geht um Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit, eine Abneigung gegen alles, das man nicht kennt und nicht definieren kann - rechtsradikales Gedankengut.
Heute morgen musste ich dieses Bild in meinem Newsfeed auf Facebook wiederfinden - gepostet von einer jungen Mutter - und während ich noch dabei war den Brechreiz zu unterdrücken, habe ich mir zwangsläufig die Frage gestellt, weshalb Menschen, die so stolz auf ihre Nation sind, nicht mal dazu in der Lage sind ihre fremdenfeindlichen Parolen zumindest in korrektem Deutsch, also ohne Grammatik- und Rechtschreibfehler, zu verfassen. Mal ganz davon abgesehen, dass diese Aussage vollkommener Schwachsinn ist, sollte man seine Rechtschreibung dem nicht zwangsläufig anpassen.
Ich bin mir sehr sicher, dass keiner von uns jemals hungern musste, weil der böse böse Ausländer unser Tellerchen leer gegessen hat. Ich glaube auch nicht, dass irgendjemand von uns weiß was Hunger wirklich bedeutet. Was es bedeutet um sein Leben zu bangen, zu sehen wie die, die einem am nächsten stehen, verhungern, verdursten, dem Krieg zum Opfer fallen oder aber verschollen sind. Wenn es kein zurück mehr gibt. Wenn alles, was einem wichtig war - Familie, Freunde, Heimat, Zuflucht - für immer verloren ist. Wenn man diesen letzten Funken Hoffnung auf eine Wiederkehr im Meer ertränkt und alles, was man noch an Hoffnung und Glaube aufbringen kann, in ein kleines Boot investiert das einen mit viel Glück in eine unbestimmte Zukunft bringt. Ein Boot, in das von uns nicht mal jemand steigen würde um einen 5 Meter breiten Fluss zu überqueren.
Aber was diese Menschen hier, an dem Ort, in den sie so viel Hoffnung gesetzt haben, erfahren, ist nicht positiv. Jemanden mit offenen Armen empfangen heißt nicht, die Masse an Menschen prozentual auf Staaten aufzuteilen. Sie zu behandeln, als wären sie lediglich eine Nummer und längst kein Mensch, kein Schicksal, kein Leben mehr.
Politiker streiten sich in einer Art und Weise über diese Problematik, die längst alle Menschlichkeit vermissen lässt - aber das ist ja nichts neues. Politiker sind ohnehin fernab jeglicher Realität. Was ich viel schlimmer finde, ist, dass die Bevölkerung so viele Vorurteile hegt.
"Die Leute wollen ohnehin nicht arbeiten"
"Die nehmen uns die Arbeit weg"
"Ich bekomme keine Arbeit, weil mein Platz von ´nem Quotenausländer weggenommen wurde"
"Mein Kind hat nichts zu essen, weil der Staat nur die Fremden unterstützt"
Die einen sind dafür bekannt prinzipiell zu klauen, die anderen sind ohnehin Schläger, Zuhälter und Dealer nicht zu vergessen, um die Auflistung zu vervollständigen sollte ich Vergewaltiger und Kinderschänder nicht vergessen - ist da drüben doch normal, andere Kultur und andere Sitten.
Eigentlich will man sich die Mühe nicht machen dieses "andere" kennen zu lernen. Schließlich und endlich reicht es einem ja zu wissen, dass das Essen schmeckt, mehr als das Essen und die billigen Klamotten will sowieso niemand. Wieso sollte ich mich also damit auseinander setzen, dass auch diese Menschen ein Schicksal haben? Wir sind schließlich alle mit unseren eigenen Problemen beschäftigt und weil wir diese Probleme eben aktuell bewältigen müssen, sind die natürlich viel tragischer als die der anderen. Aber das muss man ihnen schon lassen, diesen Ausländern, eine gute Ausrede sind sie alle mal. Wenn man sein Leben an die Wand fährt, die Schule schmeißt und sich nicht um Besserung bemüht, dann liegt das nicht daran, dass man selber Mist gebaut hat, nein - der böse Ausländer hat mir meine mögliche Arbeitsstelle weggenommen. Das liegt auch sicher nicht daran, dass sich der angestrengt und bemüht hat, nein, das liegt ganz sicher an einer Ausläderquote.
Die sind die Schattenseiten unserer Wohlstandsgesellschaft. Tunnelblick. Ellenbogengesellschaft.
"Außer mir ist niemand wichtig" - diese Denkweise hat uns in schon so viele heikle Situationen gebracht, aber daraus lernen will man nicht. Schließlich und endlich sind diese Themen dann ja ausgelutscht, will man nicht mehr hören.
Ich weiß nicht, was euch eure Eltern beigebracht haben, aber ich habe gelernt, dass ich eine Person nicht aufgrund von Herkunft, Religion, Hautfarbe, Haarfarbe oder dreckiger Klamotten in eine Schublade zu stecken habe. Ich habe gelernt, wenn es für zwei reicht, dann werden auch drei davon satt und wenn nötig, dann bekommt man auch einen vierten Bauch noch gefüllt. Mir wurde beigebracht meine Ziele hoch zu stecken, meine Erfolge aber nicht an den Misserfolgen anderer aufzubauen. Ich bin damit aufgewachsen, dass ich teile, wenn ich teilen kann. Und ich bin damit aufgewachsen, dass man sowohl geben und auch nehmen kann ohne andere zu verletzen.
Wir wachsen mit so viel Luxus auf, den wir nicht einmal annähernd zu schätzen wissen. Für uns ist es eine Last, dass wir zur Schule gehen dürfen und uns damit ein Fundament für unser späteres Leben aufbauen können. Wir sind froh, wenn wir das hinter uns haben - andere sterben beim Kampf um die Möglichkeit sich bilden zu dürfen.
Es ist Luxus jeden Tag drei Mahlzeiten essen zu dürfen. Es ist Luxus ein Smartphone zu haben. Es ist Luxus sich Schminken zu können. TV, X-Box, Playstation - alles unnötiger Krempel.
Wenn man darüber nachdenkt, was man WIRKLICH braucht, könnte man vermutlich 90 % seiner Wohnungseinrichtung getrost verschenken und spenden, denn all das ist LUXUS.
Ich kann nur jeden von euch bitten darüber nachzudenken, ob es wirklich so ungerechtfertigt ist diesen Menschen ein neues Zuhause zu bieten. Ob es wirklich schlimm ist, ihnen etwas Geld zur Verfügung zu stellen, damit sie sich ein paar Möbel, Klamotten und Nahrungsmittel kaufen können.
Bevor man über eine Person urteilt, sollte man sich die Mühe machen sie auch zu verstehen. Sprecht mit den Menschen, egal woher sie kommen. Schenkt ihnen ein freundliches Lächeln und wenn ihr am Ende des Monats noch Geld überhabt, denkt darüber nach ob dieser neue Nagellack, das neue Oberteil oder das neue PC-Spiel wirklich notwendig ist, oder ob ihr nicht lieber jemandem Fremden anbieten wollt mit euch einen Kaffee trinken zu gehen und sich zu unterhalten.
Begrenzt euren Horizont nicht durch sinnloser Vorurteile - erweitert ihn. Neue Eindrücke, neue Erinnerungen, neue Erkenntnisse!

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