Freitag, 22. Mai 2015

Freitag, 22. Mai 2015

instagram.com/Gehirnzellenoptik_fotografie
Mir wird immer wieder gesagt, ich solle doch endlich erwachsen werden. Ich soll gesellschaftlichen Normen gerecht werden. Ich soll die Ansprüche die man an mich stellt, nicht länger ignorieren, sondern anfangen daran zu arbeiten. Aber wer hat denn bitte ein Recht dazu irgendetwas von mir zu erwarten, das ich nicht selbstständig bereit bin zu geben?

Ich habe mir die Mühe gemacht und "Erwachsen" einfach mal durch verschiedene Suchmaschinen gejagt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die mir zur Auswahl stehenden Definitionen so nicht akzeptieren kann und möchte.

Es gibt ungefähr alles, von "man ist erwachsen sobald man volljährig ist" über "wenn man alle Fähigkeiten und Erkenntnisse erworben hat um selbstständig leben zu können" bis hin zu "man ist erst erwachsen, wenn man Ziele im Leben, unter anderem Ausbildung / Studium, Hochzeit und Kinder, erreicht hat". Die mit Meilen weitem Abstand dümmste Erklärung lautete, sobald man sich der Gesellschaft und ihren Norman anpassen könne, wäre man erwachsen. Dazu kann ich nur Albert Einstein zitieren: 

"Um ein tadelloses Mitglied 
einer Schafherde zu sein, 
muss man vor allem eins sein: 
Ein Schaf."

Aber was bedeutet es denn bitte dann? Ich denke, dass es keine universell richtige Antwort auf diese Frage gibt. Ich denke auch, dass erwachsen sein überhaupt nicht wichtig ist. Und wenn ich ehrlich sein darf, möchte ich auch irgendwie nicht, dass man mich als erwachsen bezeichnet, denn das, was man unter erwachsen versteht ist genau das Gegenteil von dem, was ich sein möchte.

instagram.com/Gehirnzellenoptik_fotografie
Ich möchte nicht dem Lebenskonzept, das irgendjemand aus Jux und Tollerei irgendwann für richtig befunden hat, gerecht werden müssen - ich möchte generell nicht, dass irgendjemand Erwartungen an mich stellt, die ich erfüllen muss, ob sie mir nun in den Kram passen oder nicht.

Der einzige Mensch, der Erwartungen an mich stellen darf, bin ich. Der einzige Mensch, dessen Erwartungen ich gerecht werden muss, bin ich. Der einzige Mensch, dem ich Rechenschaft schuldig bin, bin ich. Der einzige Mensch, der mein Verhalten und Handeln kritisieren und in Frage stellen darf und erwarten darf, dass ich mir meine Fehler eingestehe, bin ich.

Wenn ich Mist mache, muss ich mit den Konsequenzen leben, sonst niemand - also was gibt irgendjemandem das Recht über mich zu urteilen?
Mir ist bewusst, dass ich - allein durch die Tatsache, dass ich mich im Internet präsentiere und somit unheimlich viel Angriffsfläche biete - natürlich das Ziel unheimlich vieler Gestalten, die mit ihrem eigenen Leben unzufrieden sind und ihre Wut und ihren Hass irgendwo ausleben müssen, bin. Aber ich bin auch der Meinung, dass meine bloße Anwesenheit niemandem das Recht gibt seine unqualifizierten und beleidigenden Kommentare zu mir, meinem Leben und meinem Sein raus zu brüllen - wobei, das ist ja ohnehin der nächste Punkt, der mich ganz ungemein stört: Man brüllt es ja nicht mal raus, man sagt es mir noch nicht mal ins Gesicht oder steht zumindest zu dem, was man denkt mir sagen zu müssen, sondern man versteckt sich hinter anonym, hinter der Anonymität die einen davor bewahrt selbst irgendwo eine Angriffsfläche offen zu legen und man denkt dann auch noch wirklich, dass mich sinnlose Beleidigungen von dem, was ich tue, abhalten könnten. Zumal ich an diesem Punkt gerne einmal los werden möchte, dass das, was ich hier von mir Preis gebe, längst nicht mein gesamtes Leben ist und ich euch nur das wissen lasse, was ich offen legen möchte.
Jaja, da ist tatsächlich noch mehr, als Facebook, blogger und ask von mir wissen - hört hört.

Aber Vorsicht, sonst komm ich vom Thema ab.

So - dann versuche ich doch mal zu analysieren, ob ich denn, gesellschaftlich anerkannt, als erwachsen eingestuft werden könnte, wenn ich mich nicht dagegen weigern würde.

Punkt 1: Volljährigkeit
Ich wurde am 15. Februar 1993 geboren, bin somit zweiundzwanzig Jahre alt und habe damit sowohl die Volljährigkeit mit achtzehn erreicht, als auch alles, was mit einundzwanzig noch so an Rechten und Pflichten dazu kommt.
Nur ein paar Nebeninformationen:
Ich habe damit die strafrechtliche Vollverantwortung eines Erwachsenen zugesprochen bekommen, ich dürfte - wäre ich verheiratet - sogar versuchen ein Kind (oder mehrere) zu adoptieren, ich darf in Spielcasinos und könnte mich theoretisch zum Bürgermeister wählen lassen.

Punkt 2: alle Kenntnisse und Fähigkeiten erworben haben, um selbstständig leben zu können.
Ich bin mit siebzehn Jahren von Zuhause ausgezogen, regel mein Leben seither selbst. Ich finanziere mich selbst durch meine Arbeit, habe eine eigene Wohnung, kümmer mich eigenständig darum, meine Verbindlichkeiten rechtzeitig zu begleichen. Ich lebe nicht über meinen Verhältnissen, sondern gebe nur Geld aus, das ich auch habe.
Ich versorge meine Tiere, ich kann kochen, ich bin dazu in der Lage meine Wäsche zu waschen und meinen Haushalt zu führen.
Und obwohl ich all das kann, stoße auch ich bei der ein oder anderen Aufgabe an meine Grenzen, weiß erst einmal nicht weiter und suche mir dann die Hilfe, die ich brauche.

Und ist das nicht im Endeffekt wesentlich wichtiger?

Keiner von uns muss alles können, für mich ist es lediglich wichtig, mir über das was ich kann genau so bewusst zu sein wie über all die Dinge, die ich nicht kann und mir Hilfe zu holen, wenn ich an einem Punkt nicht weiter komme.
Ob man mich also laut dieser Definition als erwachse einstufen möchte oder nicht, könnte ich ja jedem selbst überlassen, aber nachdem ich ja ohnehin nicht erwachsen sein will, ist das hinfällig und wir können zum nächsten Punkt weiter gehen:

Punkt 3: Man muss bestimmte Ziele im Leben - Ausbildung / Studium, Hochzeit, Famlie - erreicht haben.
Nein. Ziele im Leben setzt sich jeder selbst, manche möchten heiraten, andere nicht, manche möchten Kinder, andere nicht - da hat sich kein Außenstehender einzumischen und keiner hat mein Leben für mich zu planen.
Demnach bin ich nicht erwachsen, denn ich weigere mich gesellschaftlich vorgegebene Ziele als meine anzuerkennen und diese anzustreben.

Punkt 4: Erwachsen wäre man erst, wenn man sich den gesellschaftlichen Normen anpassen könnte.
nein. Nein. NEIN! Normen sind nichts weiter als das aktuell Gängige Idealbild und nur weil eine Masse hinter etwas her läuft, macht es das nicht mehr richtig oder mehr falsch.
Außerdem bieten optische Normen beispielsweise überhaupt keine Grundlage für Einschätzungen meines Charakters. Ob ich Piercings und Tattoos trage, meine Haare bunt oder in Naturfarben trage, ob ich zerrissene Jeans oder ein feines Abendkleid trage, bietet keinerlei Aufschluss über mein Können, meine Fähigkeiten, meine Ideale und meine Einstellung.
Und sich anpassen hat meiner Meinung nach rein gar nichts damit zu tun, erwachsen zu sein, meine Idealvorstellung war immer, je älter ich werde, desto gefestigter sollte mein Charakter sein und zu seinem gefestigten Charakter gehört Rückgrat. Rückgrat sollte es eigentlich schon unmöglich machen, sich Gegebenheiten anzupassen, die nicht mit dem eigenen Ideal vereinbaren lassen.


Also nein, ich möchte nicht erwachsen sein, ich möchte nicht irgendjemandes Erwartungen gerecht werden, ich möchte nicht gesellschaftlichen Normen gerecht werden und ich möchte niemandem, der mich nicht mal kennt, Rechenschaft schuldig sein. Ich bin großzügig, ich verzichte darauf und gebe meine Portion "erwachsen" an jemanden, der sie gerne haben möchte - Freiwillige vor.

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