Ich bin und war schon immer ein Prinzipien-Mensch. Meine Prinzipien sind fest, nicht verhandelbar, nicht verbiegbar und nicht veränderbar, auch dann nicht, wenn man sie in bestimmten Situationen gerne verbiegen würde, weil es um Menschen geht, die einem nahe stehen und viel bedeuten.
Ich bin ehrlich und direkt und wenn man mich nach meiner Meinung fragt, bekommt man auch genau das - meine Meinung. Nicht schöner geredet, nicht verharmlost, nicht schonend, nein, man bekommt genau meine Meinung - auch wenn man das, worum man gebeten hat, nicht hören möchte.
Wenn ich der Meinung bin, das Verhalten, Denken oder Handeln einer Person kritisieren zu müssen, tue ich das, ganz egal, ob sich mein Gegenüber eventuell vor den Kopf gestoßen fühlt oder nicht. Es ist mir wichtig meinen Prinzipien treu zu bleiben und wenn man mit mir in Kontakt oder befreundet sein möchte, dann muss man eben mit dieser Eigenschaft leben können.
Ich habe eine klare Vorstellung davon, was ich als richtig und falsch empfinde - ich behaupte nicht, dass diese Vorstellung universell ist, denn mir ist durchaus bewusst, dass es sich um Auslegungssache handelt, die jeder für sich selbst definieren muss - und ich kritisiere recht deutlich, wenn ich der Meinung bin etwas geschieht zu unrecht.
Natürlich versuche ich auch mein Verhalten, Denken und Handeln eben diesen Vorstellungen anzupassen und meinen Prinzipien gerecht zu werden.
Weshalb ich das so schreibe: Vor einigen Monaten habe ich mich öffentlich dagegen ausgesprochen, dass einem Menschen, der rechtsradikales Gedankengut verbreitet (und dabei reichen die eindeutigen Tätowierungen definitiv), durch seine Beziehung eine Plattform ermöglicht wurde, auf der er vor allem jüngere Personen erreichen und beeinflussen kann. Ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass dieses Verhalten nicht akzeptiert werden kann, sondern definitiv kritisiert werden muss, weshalb ich es auch nicht bereue darauf aufmerksam gemacht zu haben und dieses Paar mehr oder weniger an den Pranger gestellt habe. Diese Gesinnung ist weder zu akzeptieren, noch zu tolerieren und erst gar nicht zu ignorieren, denn es ist ausgesprochen gefährlich, wenn jemand, der diese Ideologie lebt und vertritt, die Möglichkeit hat die ihm gebotene, beeinflussbare Zielgruppe für seine Zwecke zu manipulieren und zu missbrauchen.
Ich denke auch, dass es wichtig ist über diese Thematik aufzuklären und da meine ich nicht etwa das wälzen von Schulbüchern, sondern gezielte Aufklärungsarbeit unter anderem mit Hilfe von Zeitzeugen, deren persönliche Eindrücke und Geschichten doch einen anderen Blick auf die damaligen Geschehnisse ermöglichen, als es irgend ein Geschichtsbuch jemals könnte. Diese Schicksale sollten auch den letzen, der krampfhaft an seiner Nazi-Ideologie festhält, zum Nachdenken bringen. Natürlich kann man sich nämlich diese Ideale schöner reden als sie sind, wenn man lediglich Zahlen und Statistiken vor Augen hat, aber niemals mit dem Leid, das der Krieg mit sich gebracht hat, konfrontiert wird.
Nach dem ersten Shitstorm, der damals doch sehr extrem auf mich herein gebrochen ist, habe ich auch sehr viel positives Feedback erhalten und neben den ganzen Beleidigungen (denn mit normaler Argumentation hätte man das ja nicht rechtfertigen können), die ich mir Tag für Tag durchlesen durfte, haben auch sehr viele von euch versucht mir den Rücken zu stärken und mich darin zu unterstützen darüber aufzuklären. Ich war wirklich von all dem Feedback überrascht und habe mich über jeden positiven Kommentar gefreut.
Leider musste ich jetzt feststellen, dass manche wohl über das eigentliche Ziel hinaus schießen und es ihnen längst nicht mehr darum geht, das eigentliche Problem zu thematisieren, sondern lediglich alles kritisieren wollen, was eine Person tut. Das schlimme daran ist, dass nicht derjenige damit beeinträchtigt wird, den man eigentlich dafür verantwortlich machen sollte, sondern diejenige, die ihm aus Liebe und Naivität eine Plattform geboten hat.
Wie gesagt, ich möchte das gar nicht schön reden und ich finde auch, dass man ihr eben dieses Verhalten ankreiden kann, aber damit ist es dann auch getan. Es ist nicht notwendig, dieses Mädchen zu beleidigen. Es ist nicht notwendig, sie psychisch fertig zu machen. Es ist nicht notwendig, jeden Schritt zu überwachen und nach dem winzigsten Fehler zu suchen, und - sprichwörtlich - aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, nur um sich selbst dadurch besser zu fühlen. Ihr kritisiert, dass sie einem Nazi eine Plattform gibt, aber könnt ihr mir erklären, wo genau euer Verhalten besser ist?
Ein Nazi steckt Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion oder körperlichen Gegebenheiten (Behinderung) in Schubladen - verurteilt die Menschen dann und handelt so, wie sein Denkmuster es ihm vorschreibt.
Ihr verurteilt eine Person aufgrund eines Fehlers, der aus Naivität passiert ist. Aber kann einer von euch behaupten nie einen Fehler gemacht zu haben? Aus Verliebtheit, Naivität, Dummheit, Übermut oder einfach, weil er vorher nicht richtig darüber nachgedacht hat. Und was macht ihr mit dieser Person? Ihr stellt sie öffentlich an den Pranger und zwar für Dinge, bei denen ihr selbst wollt, dass man sie an euch akzeptiert. Zum Beispiel, dass ihr eben ein paar Kilo zugenommen habt oder der Pony mal nicht so sitzt wie er sollte. Ihr verurteilt die Person ja sogar dafür, dass man ihr ansieht wie fertig und kaputt sie ist, aber das ihr mit unter dafür verantwortlich seid, weil ihr einfach weit unter die Gürtellinie geht und mittlerweile gezieltes Cyber Mobbing betreibt, das ist nebensächlich - bietet ja schließlich schon den nächsten Makel, den man kritisieren und verurteilen kann.
Ich möchte nicht sagen, dass ich mich in jedem Moment und bei jeder Aussage richtig verhalten habe. Ich habe mit Sicherheit auch Kommentare von mir gegeben, die ich im Nachhinein als falsch empfinde und aus jetziger Sicht nicht mehr so schreiben würde. Das liegt einfach daran, dass es um einen Menschen ging, der mir in gewisser weise sehr nahe stand und ich mich da gerne in Rage geschrieben habe, weil ich es nicht ertragen konnte mit anzusehen wie diese Person in ihr eigenes Verderben läuft. Das legitimiert nicht, dass ich über das Ziel hinaus geschossen bin und ich kann das natürlich auch nicht rückgängig machen oder entschuldigen.
Allerdings bin ich an einem Punkt angekommen, an dem mir das Ausmaß der Dinge einfach zu groß wird und an dem die Aussagen und die massenhaften Beleidigungen zu viel, zu heftig und zu schlimm werden. Es ist kein kritisieren und aus Versehen über die Stränge schlagen mehr, es ist ein gezieltes Zerstören, Verletzten und Kaputt-machen einer Person, die der Großteil der Masse nicht einmal wirklich kennt.
Allerdings bin ich an einem Punkt angekommen, an dem mir das Ausmaß der Dinge einfach zu groß wird und an dem die Aussagen und die massenhaften Beleidigungen zu viel, zu heftig und zu schlimm werden. Es ist kein kritisieren und aus Versehen über die Stränge schlagen mehr, es ist ein gezieltes Zerstören, Verletzten und Kaputt-machen einer Person, die der Großteil der Masse nicht einmal wirklich kennt.
Ich möchte mit den Beleidigungen nichts zu tun haben. Ich möchte nicht mit Menschen in einen Topf geworfen werden, für die "Der Zweck heiligt die Mittel" gilt und denen es nur noch darum geht, die Person so fertig zu machen, dass sie ihre Online-Präsenz aufgibt und das, was sie eigentlich gerne tut, aufgibt um von negativen Kommentaren verschont zu bleiben.
Vielleicht fühlt sich jetzt der ein oder andere von euch angesprochen und glaubt mir, ich möchte euch keine bösen Absichten unterstellen, aber wie gesagt - jeder Mensch macht Fehler und wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Deshalb möchte ich euch einfach nur darum bitten, euer Verhalten zu reflektieren und solltet ihr dabei feststellen, dass auch ihr Aussagen gemacht habt die unter die Gürtellinie gehen und beleidigend sind, dann unterlasst das doch in Zukunft. Wir haben alle Einfluss auf der Leben anderer - in bestimmten Situationen ist es wichtig den Mund aufzumachen und seine Meinung zu sagen, in anderen sollte man es besser lassen.

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