Freitag, 19. Juni 2015

Freitag, 19. Juni 2015

Eine Frage, die ganz gerne gestellt wird, ist

"womit finanzierst du eigentlich dein
Leben und was hast du noch vor?"

In einem Eintrag weiter unten ( hier ), habe ich ja bereits erklärt, dass ich meinen beruflichen Werdegang ungern dem gesellschaftlich anerkannten Lebensplan anpassen möchte. Nachdem euch die Frage aber sehr zu beschäftigen scheint und ich das Thema auch wichtig finde, werde ich euch von meinem Berufsleben erzählen.

2012 habe ich meine Fachhochschulreife im Sozial Zweig der Staatlichen Fachoberschule Landshut erworben. Bis dahin hatte ich ja auch nur relativ einfache Entscheidungen zu treffen:
  • Grundschule, da war die Entscheidung leicht, ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und da gab es nur eine Grundschule, die in Frage gekommen ist.
  • Nach vier Jahren Grundschule dann die Entscheidung: Regelklasse, Mittlere Reife Zweig, Realschule oder Gymnasium. Ich - und damit meine ich wirklich mich, diese Entscheidung haben nicht meine Eltern für mich getroffen - habe mich für ein Musisches, halb-privatisiertes Gymnasium entschieden.
    Da lief leider nicht alles nach Plan und neben Lehrern, mit denen es Probleme gab, kam mir unter anderem die Pubertät und die dazu gehörigen Phasen in die Quere, weshalb ich nach der achten Klasse die Schule gewechselt habe.
  • Realschule kam nicht in Frage, also blieb nur die Hauptschule - dank einem glücklichen Zufall konnte ich problemlos in den Mittlere Reife Zweig wechseln. Ich habe dann meinen Qualifizierten Hauptschulabschluss und im Jahr darauf meine Mittlere Reife geschrieben.
  • Anschließend habe ich mich gegen eine Ausbildung und für den Erwerb einer Fachhochschulreife entschieden. Dafür bin ich von Zuhause ausgezogen und habe zwei Jahre lang mit meinem Bruder in Landshut gelebt.
Erst danach wurde es kompliziert was das Treffen von Entscheidungen anging. Schule bietet einem einen geregelten Tagesablauf, Montag bis Freitag je nach Stundenplan von morgens um acht bis nachmittags zwischen dreizehn und sechzehn Uhr und dadurch regelt sich auch die Freizeit.
Durch meinen Auszug mit siebzehn hatte ich zwar schon einiges an Selbstständigkeit erworben, aber sobald man die Schulbank nicht mehr drücken "muss" (darf), hat man ganz andere Verpflichtungen und es werden plötzlich Erwartungen an einen gestellt.
Zu diesem Zeitpunkt war ich auch noch der Meinung diesen Erwartungen gerecht werden zu müssen und weil ich mir erst einmal ein Fundament bauen wollte und das erste eigene Geld verdienen wollte, habe ich mich dazu entschieden erst einmal eine Ausbildung zu beginnen. Da ich im Sozialen Bereich nicht fündig geworden bin - ich hab in diesem Bereich den Anspruch schnell und problemlos zwischen einzelnen Bereichen wechseln zu können und diesem Anspruch wurde keiner der Ausbildungsberufe gerecht - habe ich mich dazu entschieden das Angebot meiner Patentante anzunehmen und in ihrer Kanzlei eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten zu machen.
Meine Voraussetzungen waren auch gar nicht schlecht, ich habe Buchführung zwei Jahre am Stück mit einem Schnitt von 1,0 abgelegt - es bestand also tatsächlich die Option, dass mir der Beruf Spaß machen würde.
So war es aber leider nicht und ich war eigentlich von Beginn an unglücklich mit dem, was ich gemacht habe. Da es für mich Zeitverschwendung war - mir ist sehr schnell klar geworden, dass ich in diesem Bereich nicht mein restliches Leben arbeiten möchte - habe ich die Ausbildung nach fünf Monaten abgebrochen und bin anschließend in ein kleines Loch gefallen.
Einen Studienplatz konnte ich nicht ergattern und da ich von Berlin zurück in die Nähe Landshuts gezogen bin, und mehr oder weniger abgeschnitten von der Außenwelt war (in näherer Umgebung gab es einfach NICHTS), habe ich auch erst keine Arbeit gefunden.

Nachdem ich diese Phase überwunden hatte, habe ich mir einen Plan B zurecht gelegt und ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Der Parität Regensburg gemacht. Und ich habe glaube ich selten eine so gute Wahl getroffen, wie in dieser Situation. Diese elf Monate haben meine Einstellung grundlegend verändert und ich durfte so viele Erfahrungen und Erinnerungen sammeln, ich kann nicht in Worte fassen wie gut mir das getan hat.
Sowohl die Arbeit in der Einrichtung selbst - ich habe in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung gearbeitet - als auch die Seminare mit den anderen FSJlern, haben mir unheimlich gut getan und sowohl meinen Charakter als auch meine Idealvorstellung an dieses Berufsfeld geprägt.
Ich kann nur jedem, der in einer ähnlichen Situation ist wie ich es war, ans Herz legen ein Freiwilliges Soziales Jahr in Erwägung zu ziehen. Selbst wenn ihr danach etwas ganz anderes machen wollt, ihr sammelt so viele Eindrücke und euer Weltbild verändert sich mit Sicherheit.

Im Anschluss an das Freiwillige Soziale Jahr habe ich eine Stelle als Persönliche Assistentin angenommen. Nicht jeder wird sich darunter etwas vorstellen können, deshalb ein kurzes Berufsbild:
Menschen mit Behinderung haben unter bestimmten Umständen die Möglichkeit ein persönliches Budget zu beantragen und im Zuge dessen selbstständig entscheiden zu können wer sie pflegt. Dadurch entsteht unter anderem auch die Möglichkeit Personen einzustellen, die keine Ausbildung in dem Bereich haben, aber aufgrund von wirklichen Leistungen überzeugen.
Meine Aufgaben umfassen dabei eigentlich alle Bereiche, die auch im eigenen Leben von Bedeutung sind. Von pflegerischen Tätigkeiten über Assistenz bei der Arbeit des Budgetnehmers bis hin zur Unterstützung der Freizeitgestaltung, Einkäufe, Begleitung bei Arztterminen und Co, gehört eigentlich alles dazu.
Meine Dienstzeiten kann ich in monatlichen Teamsitzungen in Absprache mit den anderen Teammitgliedern und unter Berücksichtigung meiner eigenen Terminen, festlegen. Bezahlt wird nach Tarif-Vertrag und mein Brutto-/Nettogehalt ist natürlich von meiner tatsächlichen Arbeitszeit abhängig.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht den Rest meines Lebens als persönliche Assistentin arbeiten werde, aber aktuell verdiene ich mir damit meinen Lebensunterhalt und habe - dadurch dass ich niemandem Rechenschaft schuldig bin - die Möglichkeit mich neu zu sortieren und zu überlegen in welche Richtung ich gehen möchte.
Momentan habe ich großes Interesse an Journalismus, aber auch ein Studium im Studiengang Soziale Arbeit schließe ich nicht aus.

So. Nun wirst ihr, wie ich mir aktuell meinen Lebensunterhalt finanziere und an welchem Punkt in meinem Leben ich momentan stehe. Ich hoffe, eure Frage damit ausreichend beantwortet zu haben. Sollten aber noch Fragen offen sein, könnt ihr mir natürlich sowohl einen Kommentar oder eine Nachricht auf meiner Facebook-Seite da lassen, ich versuche schnellst möglich zu antworten.

Über euer Feedback in den Bewertungen würde ich mich sehr freuen (:

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