Wer mich kennt, weiß, dass es nicht so viele Sachen gibt, die mich aus der Fassung bringen, mir Tränen in die Augen treiben und mich nervlich an den Rand meiner Existenz drängen. Nur die wenigsten können wirklich starke Gefühle in mir wecken - aber einer, einer schafft das immer und auf diesen einen könnte ich auch nicht verzichten, nämlich auf meine bessere Hälfte, meinen Seelentröster und meinen besten Freund Jim Knopf!
Seit über zwei Jahren teile ich mein Leben mit diesem wunderbaren Kater und ich hätte mit wirklich keinen besseren Weggefährten wünschen können - dass ich ihn damals gefunden und mitgenommen habe, ist mit eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe!
Heute hatte ich wirklich Angst - panische Angst.
Nach der Arbeit habe ich mich für ein Stündchen ins Bett gelegt - "Mittagsschlaf" gemeinsam mit meinem Knopf, ein Ritual! Ich bin eingeschlafen, er war da - ich bin aufgewacht, er war da! Anschließend bin ich einkaufen gegangen - Knopf hat mich an der Tür verabschiedet. Ich kam wieder, aber an der Tür wurde ich nicht, wie eigentlich üblich, von Knopf begrüßt - nur Findus saß mauzend im Flur und hat sich gefreut, dass er wieder jemanden hat, der ihn streichelt.
Gut, ich habe die Einkäufe weggeräumt und mich anschließend auf die Suche nach meinem Katerchen gemacht, auf die Kuschel-Einheit zur Begrüßung will ich nicht verzichten. Aber Knopf war nicht da - er lag weder auf dem Bett, noch hat er sich darunter versteckt und auch an seinen anderen, bevorzugten, Plätzen konnte ich ihn nicht finden.
Als ich mir sicher war, dass Knopf sich nicht in der Wohnung aufhält, war ich verzweifelt, panisch und den Tränen nahe. Also bin ich den gesamten Flur inklusive Keller abgelaufen, habe mit einer Taschenlampe bewaffnet den Innenhof abgesucht und sämtliche Nachbarn im Haus raus geklingelt und nach meinem kleinen Kater gefragt. Aber er war unauffindbar.
Ich war mit den Nerven am Ende, saß wie ein Häufchen Elend auf dem Boden und habe mir die Seele aus dem Leib geheult (um es ehrlich und ungeschönt zu sagen) und an dieser Stelle muss ich mich wohl bei meinem Freund William bedanken, denn im Gegensatz zu mir, hat er darüber nachgedacht, was wir noch tun können und wie wir am besten reagieren.
Da bei einem entlaufenen Kater die Möglichkeiten doch sehr begrenzt sind, haben wir uns dafür entschieden erst einmal Zettel aufzuhängen, mit Foto und Beschreibung und natürlich einer Telefonnummer - und da ich wirklich gute Fotos von Knopf haben wollte, in einer Qualität, dass man auch alles richtig und gut erkennen kann, haben wir Bilder auf einen USB Stick gezogen und wollten diese Bilder ausdrucken.
Auf dem Rückweg wollte ich, bevor wir die Zettel vorbereiten und aufhängen, noch einmal durch den Innenhof gehen - nach mehrfachem Rufen und rascheln mit seinen Lieblingsleckerlies, kam tatsächlich ein sehr verzweifeltes Mauzen als Antwort. In dem Moment war ich mir nicht einmal sicher, ob das mein Kater sein kann - so habe ich ihn noch nie mauzen hören. Also habe ich ihn mehrfach gerufen und irgendwann auch tatsächlich gefunden. Er saß mitten in einem Dornenbusch fest, hatte Angst und Hunger und kam offensichtlich nicht mehr alleine raus.
Die Kater-Rettungsaktion hatte für mich mehrere Dornen im Bein und im Finger zur Folge, aber auch einen glücklich schnurrenden und kuschelnden kleinen Kater, der sich jetzt - nach einer großen Portion Futter - auf meinen Beinen zusammen gerollt hat und friedlich schläft.
Das war ein Abenteuer, das ich so schnell nicht wieder erleben möchte - mein Knopf gehört doch zu mir!
Und jedes mal wenn ich Zettel mit Bildern von vermissten Tieren an Bushaltestellen oder Laternen sehe, muss ich daran denken, wie verzweifelt diejenigen sein müssen - und umso glücklicher bin ich gerade, dass ich meinen Seelentröster wieder habe und ihn (hoffentlich) noch ganz ganz lang kuscheln kann!


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