Nach etwa zwei Monaten Igel-Mama-Dasein gibt es heute einen kleinen Update-Eintrag, in dem ich euch über meine Erfahrungen berichte und euch einen kleinen Überblick über die Haltung afrikanischer Weißbauchigel geben möchte (:
Wenn ich auf Instagram oder Facebook ein Foto meiner Stachelnasen poste, folgen unterschiedliche Reaktionen. Die einen finden Snäpper und Zumpel süß, die anderen unterstellen mir Tierquälerei.
Afrikanische Weißbauchigel sind, genau so wie beispielsweise Ratten, Hamster oder Meerschweinchen, domestizierte Tiere - also Tiere, die vom Menschen über Generationen hinweg vom Wildtier entfernt und zum Haustier gemacht wurden.
Ob man das nun gut oder schlecht findet, ist jedem selbst überlassen, aber die Tatsache, dass Igel aktuell noch eher ungewöhnliche Haustiere sind, ist keine Rechtfertigung ihren Haltern Tierquälerei zu unterstellen während man selbst gerade mit seinem Meerschweinchen kuschelt.
Bevor Snäpper und Zumpel bei mir eingezogen sind, habe ich sehr viel gelesen und recherchiert um den beiden ein schönes, artgerechtes Zuhause bieten zu können. Dieses Wissen möchte ich jetzt gerne mit euch teilen:
Haltung:
Je nachdem ob man seine Informationen von deutschen oder amerikanischen Seiten bezieht, wird man unterschiedliche Meinungen finden.
Während man auf amerikanischen Seiten sehr oft liest, dass die Igel in Käfigen, die mit Fleecedecken ausgelegt sind, gehalten werden, heißt es auf deutschen Seiten durchgehend, dass ein Terrarium notwendig ist.
Ich denke, beides hat Vor- und Nachteile. Werden die Igel in einem Käfig gehalten, gewöhnen sie sich wesentlich mehr an die Geräusche, die ihre menschlichen Mitbewohner von sich geben, sind immer präsent und werden - zumindest scheint es auf Fotos so - handzahmer.
Bei einem Terrarium ist es dafür einfacher die Temperatur zu regulieren und durch die Glasscheibe kann man seinen Igel auch schöner beobachten als durch Gitterstäbe.
Für meine Igelchen habe ich ein Terrarium (150x80x80), in dem sich Versteckmöglichkeiten, eine Frettchentoilette und Klettermöglichkeiten befinden.
Außerdem habe ich meinen Bettkasten zu einem Freilauf umfunktioniert, indem die beiden einen Heutunnel, leere Klopapierrollen und Katzenspielzeug haben - einfach, um für ausreichend Abwechslung zu suchen.
In der Wohnung dürfen sie nur unter Beaufsichtigung frei laufen, das liegt mit unter auch daran, dass ich etwas Angst um die Nasen meiner Kater habe.
Im Terrarium befindet sich außerdem eine Wärmelampe, die ich aber nicht regelmäßig nutze. Man muss sehr darauf achten, dass die Temperatur nicht zu tief fällt, aber ich habe das Glück, dass die Temperatur im Terrarium eigentlich nie unter 22 Grad fällt, weshalb ich aktuell auf die Wärmelampe verzichten kann. Im Winter sieht das dann vermutlich anders aus, aktuell habe ich - vor allem wenn es so heiß ist, größere Schwierigkeiten das Terrarium zu kühlen als zu heizen.
Das Hauptfutter für Igel setzt sich aus Insekten, Katzennass- und Katzentrockenfutter zusammen.
Auf manchen Seiten wird extra Igelfutter angeboten, es ist aber weder sinnvoll noch ratsam dieses Produkt an die Igel zu verfüttern, da es Zucker enthält, was nicht sofort als schädlich erkennbar ist, aber Spätfolgen nach sich ziehen kann (zum Beispiel Schädigung der Zähne).
Beim Katzenfutter sollte darauf geachtet werden, dass der Fleischgehalt sehr hoch ist und kein Schweinefleisch (kann einen Virus enthalten, der für Tiere tödlich ist) enthalten ist.
Snäpper und Zumpel mögen leider kein Nassfutter, weshalb ihre Hauptnahrung aus Insekten und Trockenfutter besteht, eventuell kann ich sie aber noch an Nassfutter gewöhnen. Beim Nassfutter solltet ihr auch dringend darauf achten, dass kein Zucker enthalten ist.
Um den Speiseplan auf zu peppen habt ihr einige Möglichkeiten: Fleisch kann gekocht, gebraten oder gedünstet an die Kleinen verfüttert werden - hierbei wieder darauf achten kein Schweinefleisch zu füttern, das Fleisch nicht zu würzen und wenn ihr es anbratet, bitte ohne Öl und Fett.
Als Leckereien könnt ihr euren Igeln Rührei (ungewürzt und ohne Fett/Öl agebraten) anbieten, außerdem natürlich Obst - bitte nur in kleinen Mengen verfüttern um Katastrophen vorzubeugen -, oder aber Babymäuse (die gibt es tiefgekühlt beispielsweise im Futterhaus), dazu konnte ich mich allerdings noch nicht überwinden.
Die No-Gos auf dem Speiseplan sind Schweinefleisch (ich wiederhole mich), Milch bzw. Milchprodukte, Gefrorenes (Futter muss IMMER Raumtemperatur haben), Gewürze und natürlich Süßkram.
Am besten fragt ihr beim Züchter / Vorbesitzer eurer Igel nach welches Futter sie vorher verfüttert haben. Nach einem Umzug ist eine sofortige Futterumstellung für die Igel nur noch mehr Stress und kann dazu führen, dass euer Igelchen Durchfall bekommt.
Zu meinen beiden habe ich gleich den restlichen Futterbestand dazu bekommen - inklusive getrockneter Insekten. Verschiedene Internetseiten raten davon ab getrocknete Insekten zu verfüttern, Snäpper und Zumpel mögen sie allerdings sehr gerne. Sobald dieser Restbestand aufgebraucht ist, versuche ich umzustellen - mal sehen, ob die beiden damit einverstanden sind.
Wichtig ist auch, dass eure Igel immer ausreichend frisches Wasser zur Verfügung haben! Das solltet ihr unter keinen Umständen vergessen.
Fütterungszeit ist bei mir immer nachts - wenn ich frei / am nächsten Tag Frühdienst habe, gegen 22 Uhr, wenn ich an dem Tag Spätdienst habe, verschiebt sich die Fütterungszeit um etwa zwei Stunden nach hinten. Durch die Fütterungszeit könnt ihr auch ein bisschen Einfluss darauf nehmen wann euer Igelchen aktiv wird (:
Gewicht:
Ausgewachsen kann ein afrikanischer Weißbauchigel zwischen 300 und 500 Gramm - in manchen Fällen auch mehr - wiegen. Das ist, genau so wie beim Menschen auch, von Größe und Statur abhängig und natürlich von Tier zu Tier verschieden.
Ihr solltet aber darauf achten, dass euer Igel mindestens 180 Gramm wiegt (Jungtier), wenn er bei euch einziehen darf.
Bis die Igel ausgewachsen sind, müsst ihr also das Futter nicht rationieren - der Igel isst solange er hunger hat und darf ja gerne noch zunehmen und wachsen.
Sollte sich euer Igel irgendwann nicht mehr richtig einrollen können oder ihr eine Fettfalte im Nacken feststellen, ist er übergewichtig und ihr solltet dringend die Ernährung umstellen. Im Zoohandel gibt es zwar "Light" Katzenfutter, aber davon kann euer Igel unter Umständen noch dicker werden. Wichtiger ist, dass ihr die Menge an Futter reduziert und auch darauf achtet wie viele Würmer ihr euren Igeln anbietet - diese enthalten sehr viel Eiweiß und sorgen dafür, dass das Igelchen zunimmt.
Außerdem könnt ihr natürlich die Auslaufzeit erhöhen, mehr Bewegung führt dazu, dass euer Igelchen wieder etwas auf seine Linie achtet (:
Genau so solltet ihr auch darauf achten, dass euer Igel nicht zu dünn ist. In diesem Fall könnt ihr auf kalorienreiches Futter umsteigen. Sollte das nicht helfen und euer Igel nimmt weiter ab, solltet ihr dringend einen Tierarzt aufsuchen um die Ursache für die Gewichtsabnahme zu klären.
Igelkauf:
Hier hast du verschiedene Möglichkeiten - Züchter, Privatverkauf, Tierheim, Tierbörse oder Zoohandlung.
Ein kompetenter Züchter berät euch ausreichend und ist auch nach dem Kauf noch bereit eure Fragen zu beantworten, außerdem werden eure Igel an die Hand gewohnt, liebevoll aufgezogen und an eine Vielzahn von Futter gewohnt.
Bei Privatverkauf sollte man vorsichtig sein und gerne mal ein paar Fragen mehr stellen. Außerdem solltet ihr euch die Haltung eurer Igel beim Verkäufer ansehen und euch auch die Elterntiere eurer Igel zeigen lassen.
Tierbörsen verleiten gerne zu Spontankäufen. Das ist nicht zwangsweise schlecht, allerdings solltet ihr darauf achten, dass die Tiere gesund sind und ihr solltet das Terrarium inklusive Erstausstattung schon zuhause haben, sonst macht ihr den Umzug für das Tier alles andere als angenehm.
Im Tierheim landen leider nur Tiere, die entweder unter "Notfall" laufen oder deren Besitzer sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht länger behalten können. Diesen Tieren könnt ihr ein sehr schönes Zuhause bieten, schwierig wird es nur, wenn es sich um "Problem-Tiere" handelt, die nicht mehr in eine vorhandene Gruppe integriert werden können oder aber aufgepeppelt werden müssen.
In Zoohandlungen habe ich persönlich bisher noch keine afrikanischen Weißbauchigel gesehen, aber ich rate allgemein vom Tierkauf in Zoohandlungen ab. Die Tiere, die dort verkauft werden, werden unter widerlichsten Bedingungen produziert (und ich sage absichtlich produziert, vom züchten kann da schon keine Rede mehr sein), sind krank und oftmals verhaltensgestört. Die Massentierproduktion von Haustieren kann keinesfalls gut geheißen werden und sollte auch nicht unterstützt werden (hier ein Video, in dem gezeigt wird, wie diese Tiere wirklich "leben" müssen) - lieber solltet ihr etwas mehr Geld investieren und einen Züchter suchen, dem es auch darum geht gesunde und glückliche Tiere in liebevolle Hände abzugeben.
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Eintrag einen kleinen Überblick geben - wenn ihr noch weitere Fragen habt könnt ihr diese natürlich gerne stellen, ich beantworte sie so gut ich kann (:




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